Angelsport

12. September 2011

Geschichte des Angelsports

Fisch hatte für die Menschheit als natürliche Nahrungsquelle schon von jeher neben jagbarem Wild und den Früchten der Natur eine grosse Bedeutung. Es ist anzunehmen, das die ersten Fische wohl mit der blossen Hand gefangen wurden, ehe die Menschen sich aufgrund der Schwierigkeiten bei diesem „glitschigen“ Unterfangen Gedanken zur Vereinfachung des Fischfangs gemacht haben.
Holzspeere und Ruten aus biegsamen Hölzern, an denen aus Rentiersehnen oder Pferdehaar Angelschnüre und Knochensplitter oder Tierzähne als Haken befestigt wurden, waren schon ein erheblicher Fortschritt bei der Jagd auf das nahrhafte Meeresgetier. Aber wirklich revolutionäre Veränderungen hielten erst durch die Verarbeitung von Metallen in der Bronze – und Eisenzeit im Leben der Menschen Einzug. Die Vielfältigkeit an Handwerkzeugen nahm rapide zu und veränderte selbstverständlich auch die Art der Fischjagd. Neben selbst gefertigten Fischnetzen und einfachen Holzruten stellte man nun haltbarere Angelruten aus härteren Hölzern und Haken aus Metall her. Aufgrund der hohen Materialkosten konnten sich diese kostbaren Angelgeräte jedoch nur der Adel und gut situierte Bürger aus der Oberschicht erlauben, die dem Angelsport als reine Freizeitbeschäftigung meist an eigens dafür angelegten oder bestehenden Gewässern auf eigenem Grund nachgingen. Die Anzahl dieser Sportfischer war jedoch relativ gering und Angeln zum Zeitvertreib nicht wirklich populär. Für die ärmeren Bevölkerungsschichten war das Angeln im Meer und an den Flüssen jedoch viele Jahrtausende lang eine zwingende Notwendigkeit, um ihre Familien ausreichend ernähren zu können und durch den Verkauf oder Tausch ihres Fanges zusätzliches Einkommen zu generieren bzw. andere notwendige Lebensmittel oder Kleidung zu erhalten.

Im Mittelalter gehörte das Sportangeln ähnlich wie die Jagd beim europäischen Adel zu den vergnüglichen Freizeitbeschäftigungen in der freien Natur und gewann zunehmend an Beliebtheit in den höheren Schichten der Bevölkerung. Aber erst im Zuge der industriellen Revolution entwickelte sich die bis dahin doch eher elitäre Freizeitbeschäftigung zu einer Art Volkssport, die auch in der Mittel – und Unterschicht immer mehr Anhänger fand. Die rapide wirtschaftliche und technische Entwicklung brachten vielen Menschen neue Arbeitsplätze in den Fabriken und sorgte für geregelte Arbeitszeiten und ein zwar überschaubares – aber dennoch stetiges Einkommen. Waren früher die meisten Angelausrüstungen von Hand gemacht, so ermöglichte die maschinelle Produktion höhere Stückzahlen an technisch verbesserten Angelgeräten zu günstigeren Preisen, die auch für einfache Arbeiter zunehmend erschwinglich wurden.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten regionalen Anglervereine in Deutschland, in denen sich aber wieder neben dem Adel hauptsächlich höher gestellte Bürger wie Ärzte, Rechtsanwälte und Beamte trafen, die meist aufgrund ihrer solventen Finanzlage über eigene Jagdreviere und Fischgründe verfügten. Einladungen zur Jagd oder zum Fischen gehörten in diesen Schichten schon immer zum gesellschaftlichen Umgang miteinander, um Kontakte und gemeinsame Interessen zu pflegen und natürlich auch, um anhand der neuesten Ausrüstungsgegenstände wie Jagdgewehre oder modernsten Angelruten ihre Gäste zu beeindrucken. Der arbeitenden Bevölkerung blieben die öffentlichen Gewässer für ihr Hobby, wobei sie dort häufig in Auseinandersetzungen mit Berufsfischern gerieten, die vom Fischfang lebten und wenig Verständnis für die immer grösser werdende Schar an Freizeit-Angler aufbrachten, mit denen sie ihren Fang teilen mussten.

Nachdem zu Beginn des Jahres 1900 durch eine staatliche Änderung des Fischereigesetzes alle Angler in Deutschland verpflichtet werden sollten, nur unter Verwendung der einfachsten Angelausrüstung ihrem Hobby nachzugehen, war der lautstarke Protest innerhalb der gewohnt selbstbestimmten Oberschicht gegen diese Art der „Gleichmacherei“ unüberhörbar und die Idee eines einflussreichen Dachverbandes für alle deutschen Angler war geboren. Man gründete im Mai 1900 den ersten Deutschen Anglerbund (DAB) in Berlin und hoffte, als Zusammenschluss aller bestehenden Angelvereine den gemeinschaftlichen Interessen in der Öffentlichkeit mehr Gewicht zu verleihen und sich gegen die „ungerechten“ gesetzlichen Bestimmungen zur Wehr setzen zu können. Im Laufe der Zeit zeigte sich aber, das längst nicht alle Vereine dieser Idee folgen wollten und sich lieber zu kleineren, regionalen Angel-Verbänden zusammenschlossen. Da immer mehr Menschen aus einfachen sozialen Verhältnissen das Sportangeln als entspannende Freizeitbeschäftigung für sich entdeckten und eigene Angelvereine in ihren Ortschaften gründeten, war es nur eine Frage von Zeit, bis auch sie sich in einem übergeordneten Verband organisieren würden, der ihre Interessen angemessen vertreten sollte. Im Jahr 1921 entstand der
Arbeiter-Angler-Bund Deutschlands (AABD) als Gegenbewegung zum Deutschen Angler-Bund. Bis zur Anordnung der NSDAP, das alle deutschen Angler dem behördlich geführten „Reichsverband Deutscher Sportfischer“ beitreten sollten, verzeichnete der Angler-Bund der Arbeiter enorme Mitgliedszuwächse, die verdeutlichten, wie beliebt das Sportangeln in Deutschland geworden war. Obwohl viele regionale Angelverbände versuchten, entgegen der behördlichen Anordnung ihre Eigenständigkeit zu bewahren, konnten sie sich gegen Gesetzesänderungen wie
z. B. die Einführung eines behördlich auszustellenden Fischereischeins nur begrenzt zur Wehr setzen. Fortan sollten alle Angler sich beim Reichsverband Deutscher Sportfischer als nummeriertes Mitglied registrieren lassen, um den erforderlichen Berechtigungsschein zur Ausübung ihres Sports zu erhalten. Die Erteilung dieses Fischereischeins erforderte bei der Antragstellung nur die Angabe der Personendaten und die Vorlage eines Lichtbildes. Ein Nachweis spezieller Kenntnisse war im Gegensatz zum heutigen Fischereischein nicht erforderlich, da es wohl hauptsächlich nur darum ging, die Mitgliedszahlen im Deutschen Reichsverband der Sportfischer zwangsweise zu erhöhen und die kleineren Angelverbänden unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Mit Kriegsende löste sich der Reichsverband der Sportangler auf und die regionalen Anglervereine übernahmen ihre Verwaltung wieder selber. Es dauerte jedoch nicht lange, bis erneut die Frage nach einem überregionalen Verband aufkam, der die Belange der Anglergemeinschaft in der Öffentlichkeit vertreten sollte. Bereits 1946 entstand der „Verband Deutscher Sportfischer“ e.V. und erfreute sich im Gegensatz zum Dachverband der NSDAP sehr schnell grosser Beliebtheit unter den deutschen Anglern. Der bis zur heutigen Zeit bestehende Verband hatte offensichtlich aus den Schwierigkeiten des Reichsverbands gelernt und respektierte die Kompetenz der Landesverbände, die zum Teil unterschiedliche Gesetzesvorgaben in Bezug auf die Fischerei in den Regionen hatten. Der neue Anglerverband legte den Fokus auf eine gute Verständigung zwischen den einzelnen Verbänden und begann bereits kurz nach seiner Gründung mit der Organisation von Angel-Wettbewerben, bei denen sich Sportfischer aus allen Vereinen und Landesregionen trafen. Die Teilnehmer dieser Veranstaltungen konnten nicht nur ihre sportlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen, sondern auch die wichtigsten Fragen zum Thema Angelsport in der Beurteilung der Öffentlichkeit unter Gleichgesinnten diskutieren. Das war bei zahlreichen Anglern insofern von besonderem Interesse, weil sich die Anerkennung des Angelsports innerhalb der Gesellschaft als äusserst schwierig darstellte. Fragen der Sinnhaftigkeit dieser Freizeitbeschäftigung und der Auswirkungen auf das biologische Gleichgewicht in der Natur waren nur einige der kritischen Punkte, mit denen Sportfischer sich z.B. von Seiten der Naturschützer immer wieder konfrontiert sahen. Ganz abgesehen von den Berufsfischern, die mit allen Mitteln versuchten, sich gegen die zunehmende Zahl an „sinnlosen Konkurrenten“ zu wehren. All diese Proteste änderten jedoch nichts an der wachsenden Schar von begeisterten Anglern in ganz Europa, die sich ihre Freude am Fischen eben so wenig nehmen liessen wie die zunehmende Zahl an Sport-Jägern, die ebenfalls schon immer dem Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik ausgesetzt waren.

Das wachsende Interesse an der Sportfischerei zeigte sich auch anhand von diversen Zeitschriften, Magazinen und Büchern, die auf den Markt kamen und sich im Gegensatz zu früheren Zeiten ausschliesslich mit Themen rund um das Angeln beschäftigten. Dort wurden unter anderem Reiseberichte über Angeltouren in fremden Ländern veröffentlicht, die vielen weniger gut betuchten Anglern die Möglichkeit gaben, eine Menge über die dort angewandten Fangmethoden und Fischvorkommen zu lernen und so z.B. interessante Details über das Angeln in Norwegen oder Fangergebnisse an englischen Gewässern zu erfahren. Zudem boten diese Zeitschriften umfassende Informationen über die neuesten technischen Entwicklungen im Angelsport und kündigten die Termine für zukünftige Angelveranstaltungen an, zu denen sich immer mehr Angelvereine anmeldeten. Im Verlauf der folgenden Jahre wuchs die Zahl begeisterter Sport – und Freizeitangler in einem beeindruckendem Mass und die Anforderungen an gute Ausrüstungsgegenstände und praktisches Zubehör wurden immer höher. Es entstand ein ganz eigener Industriezweig mit immer grösser werdender Produktpalette, die sich auf die stetig steigenden Ansprüche der riesigen Anglergemeinschaft konzentrierte. Heute zählt der Angelsport in allen Gesellschaftsschichten weltweit zu den beliebtesten Sportarten und gehört innerhalb der Sport – und Freizeitindustrie zu den umsatzstärksten Märkten. Allein in Deutschland sind mittlerweile mehr als 2 Millionen aktive Sportfischer in kommunalen Angelvereinen registriert. Mindestens die gleiche Anzahl dürfte sich noch einmal durch reine Freizeit-Angler hinzuaddieren, für die das Fischen an einem kleinen See oder Flusslauf eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in der freien Natur ist, bei der sie sich wunderbar entspannen und vom Berufsalltag erholen können.

  • 2 Kommentare

2 Reaktionen zu “Angelsport”

  1. Daniel Coxam 21. Oktober 2011 um 17:00 Uhr

    Ich hatte gehofft, Sie würden unsere Link zu Ihrer Webseite Angelausrüstung hinzufügen?

    Titel: The Mangler Rabatt Angelgerät
    URL: http://www.themangler.com/german/index.php
    Crank Köder, Köder schwimmen, Spinner, Spinner Köder, top Wasser Poppers und Frösche, Vorrichtungen, drehen Fingern, Strap-Elritze, Gießen und Trolling Löffel und anderen Ködern alles zu erschwinglichen Preisen.

    Ich kann Verbindungen mit Ihrer Website austauschen, wenn Sie möchten. Wenn Sie zustimmen, um den Austausch bitte senden Sie mir die URL, die Sie unseren Link platziert auf. Dann senden Sie mir Ihre URL, Titel und Beschreibung. Doch unsere Links-Seite ist in Englisch. Ich kann für Sie übersetzen, oder Sie können Beschreibungen in Englisch senden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Daniel cox

  2. B.Schopenhaueram 10. Februar 2012 um 09:41 Uhr

    Hallo,
    erstmal Gratulation für die äußerst gelungene Website.
    habe mal eine Frage: Könnte man in der Ostsee in ca.15-20m Wassertiefe auch eine grundangel auslegen? Wird sowas praktiziert?
    Danke im Voraus
    Schopi

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