Der Karpfen

12. September 2011

Der Karpfen (Cypprinus carpio) ist ein Schwarmfisch und zählt zu den beliebtesten Zuchtfischen, da er relativ schnell wächst (Durchschnittslänge von 40 – 50 cm, je nach Art bis zu 1,20 m) und unter guten Lebensbedingungen sehr alt werden kann (ca. 35 -50 Jahre). Ursprünglich aus Asien stammend wurde der Wildkarpfen als Zucht – und Speisefisch von den Römern nach Europa importiert. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte entstanden immer mehr wirtschaftlich betriebene Karpfenzuchten, mit denen die Menschen ihren Lebensunterhalt verdienten. Durch Kreuzungen der widerstandsfähigsten Fische veränderte man die Urform des Karpfens und es entstanden schnellwüchsige Fische mit mehr Fleisch, die beim Verkauf einen höheren Preis erzielten.

Die meisten Karpfenarten sind hochrückige Fische mit kräftigem Körperbau, einer recht lang gezogenen Rücken – und gegabelten Schwanzflosse. Das Fischmaul ist zahnlos und kann zum Einsaugen der Nahrung vorgestülpt werden. Um die Nahrung zu zerkleinern, besitzt der Karpfen jedoch sogenannte Schlundzähne im unteren Schlundknochen. Am Maul befinden sich 2 Paar Bartfäden, von denen sich jeweils eines an der Oberlippe und in den Mundwinkeln befindet.
Karpfen leben bevorzugt in warmen stehenden oder langsam fliessenden Gewässern mit viel Pflanzenbewuchs und einem sandigen oder schlammigen Gewässergrund, den sie mit ihren vorgestülpten, fast rüsselartigen Karpfenlippen auf der Suche nach Futter durchwühlen. Aufgrund dieser Art der Nahrungssuche werden sie häufig auch als Wasserschweine bezeichnet. Karpfen sind gierige Allesfresser und ernähren sich von Algen, Pflanzensprossen, Würmern, Schnecken, kleinen Krebsen und Fischen sowie allen Arten von Insektenlarven, die im oder am Karpfenteich vorkommen. Die Fische sind vom Frühjahr bis in den Herbst hinein fast ununterbrochen auf Nahrungssuche und legen schnell an Gewicht zu. Abgesehen von der warmen Mittagszeit, in der sie kurz unterhalb der Wasseroberfläche ihre Nahrung verdauen, halten sie sich den Rest des Tages am liebsten in tieferen Gewässerbereichen auf. Erst in der Dämmerung werden sie wieder zunehmend aktiv und zeigen sich auf ihren Schwimmrunden vermehrt an der Oberfläche. Karpfen kann man abgesehen von der Schonzeit ganzjährig angeln, aber die beste Fangzeit liegt zwischen Mai und September. Während der kalten Wintermonate stehen Karpfen die meiste Zeit ruhig am Gewässerboden, da sich ihr Stoffwechsel ab einer Wassertemperatur von 8° C und darunter enorm verlangsamt. Nur wenn die Sonne die Wasseroberfläche oder Flachwasserstellen am Ufer erwärmt hat, steigen die wechselwarmen Tiere für eine kurze Zeit auf, um dort mit sehr gemächlichen Bewegungen nach Beute zu suchen.

Karpfen lieben die Wärme und sind im Sommer bei Wassertemperaturen von 18° bis 20° C am aktivsten. Die Geschlechtsreife erreichen sie je nach Karpfenart nach 3 bis 5 Jahren, wobei sie nur bei gleichbleibend warmen Wassertemperaturen (ab 17° C) von Mai bis Juli ablaichen. Die Karpfenweibchen heften nach einem heftigen Laichspiel (Schlagen) ihre unzähligen, kleinen blass-gelben Eier an Unterwasserpflanzen. Je nach Wassertemperatur (je höher, desto schneller) schlüpfen die Larven bereits nach 3-5 Tagen, bleiben aber an ihrer Geburtspflanze kleben und zehren noch 2-3 Tage von ihrem Dottersack. Wenn dieser aufgezehrt ist, steigen sie an die Wasseroberfläche, um ihre Schwimmblase mit Luft zu füllen. Sobald die kleinen Jungfische schwimmfähig sind, beginnen sie selbstständig mit der Jagd nach Nahrung. Je mehr Nahrung sie finden und je wärmer das Gewässer ist, desto schneller wachsen sie. Karpfen benötigen keinen hohen Sauerstoffgehalt im Teichwasser und halten sich bevorzugt in dicht bewachsenen Seerosenfeldern, an Sand- und Schilfbänken oder an ins Wasser gefallenen Baumstämmen auf, da sie dort mit Schnecken, Würmern und Insektenlarven ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorfinden.
Heute gibt es viele verschiedene Karpfenarten die alle als Zuchtformen aus dem mittlerweile fast ausgestorbenen Wildkarpfen hervorgegangen sind und sich bezüglich ihrer Körperform, Beschuppung und Farbe unterscheiden. Am bekanntesten sind die Schuppenkarpfen, Spiegelkarpfen, Lederkarpfen, Zeilkarpfen und die berühmten Koikarpfen. Koi – Karpfen werden jedoch hauptsächlich als farbenprächtige und teilweise enorm kostspielige Zierfische gezüchtet und von Privatleuten als besondere Attraktion für Aquarien oder eigene Fischteiche gekauft. Im Gegensatz zu diesen Zierkarpfen gelten z.B. der Schuppen – und Spiegelkarpfen als schmackhafte Speisefische, die sich besonders zu Weihnachten und Silvester in unterschiedlichster Zubereitungsart grosser Beliebtheit erfreuen.

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